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Innovatives Verfahren zur Gewebezüchtung nimmt urologischen Eingriffen den Schrecken

Aus patienteneigenen Zellen erzeugter Gewebeersatz eröffnet neue Wege in der operativen Behandlung von Harnröhrenverengungen.

Ein neuartiges Verfahren des Dresdner Biotech-Unternehmens UroTec ermöglicht es erstmals, das für die Korrektur von Harnröhrenverengungen nötige Gewebe im Labor zu züchten. Bisher mussten den Patienten hierfür große Hautlappen aus der Mundhöhle entnommen werden. Die seit Dezember 2010 am Klinikum Chemnitz sowie am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf zum ersten Mal vorgenommenen Transplantationen mit dem innovativen Gewebeersatz zeigen viel versprechende Resultate.

Probleme beim Wasserlassen, häufige Blasenentzündungen – eine Harnröhrenverengung beeinträchtigt den Alltag Betroffener erheblich. Ursache der Engstellen sind zumeist Vernarbungen, die Folge von Verletzungen bei operativen Eingriffen und Katheter-Untersuchungen sind. Auch bakterielle Infektionen kommen als Ursache in Frage. Allein in Deutschland werden jährlich etwa 50.000 Eingriffe an der Harnröhre vorgenommen. In der Regel setzen die Ärzte hierbei kleine Schnitte, die die Engstelle für einen begrenzten Zeitraum erweitern. Eine dauerhafte Lösung des Problems kann durch eine Transplantation von Mundschleimhautlappen erzielt werden.

Hierfür mussten die Mediziner den Patienten bisher ein drei bis 20 Zentimeter langes Hautstück aus der Mundhöhle entnehmen, um es anschließend in die Harnröhre transplantieren zu können. Die großflächige Entnahme von Mundschleimhaut konnte Blutungen und Vernarbungen im Mund sowie Probleme beim Essen und Sprechen verursachen. Die dauerhafte Erweiterung der verengten Harnröhre war dementsprechend für die Patienten mit einem hohen Komplikationsrisiko und erheblichen Schmerzen verbunden. Dank eines speziellen Verfahrens zur Gewebezüchtung des Biotech-Unternehmens UroTec aus Dresden ist ab sofort ein lediglich 0,8 Quadratzentimeter großes Hautstück aus der Mundhöhle des Patienten für die Anzüchtung von Gewebe für die spätere Transplantation ausreichend.

Spezielles Verfahren ermöglicht Kultivierung patienteneigener Zellen

Nach der Entnahme werden die patienteneigenen Zellen im Labor isoliert, unter sterilen Bedingungen gezüchtet und auf ein besonderes Trägermaterial aufgebracht. Innerhalb von drei Wochen bildet sich ein ausreichend großes Gewebestück, das in die Harnröhre des Patienten eingenäht werden kann. Das Transplantat verbindet sich innerhalb kurzer Zeit mit dem umliegenden Gewebe und die Trägersubstanz wird in einem Zeitraum von vier bis acht Wochen vollständig im Körper abgebaut. Bisher auftretende Komplikationen entfallen; zusätzlich verkürzt sich die Operationszeit und damit auch die Narkosezeit.

Das von UroTec hergestellte Mundschleimhauttransplantat MukoCell® ist das weltweit erste im Labor gezüchtete Produkt, das zur Rekonstruktion der Harnröhre verwendet werden kann. Der Gewebeersatz ist besonders widerstandsfähig gegenüber Urin, mechanisch belastbar und lässt sich in Größe und Form optimal anpassen.

Operationen zeigen viel versprechende Resultate

Am Bethanien Krankenhaus Chemnitz und am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf haben führende Spezialisten für Harnröhrenchirurgie seit Dezember 2010 insgesamt elf Patienten mit der im Labor gezüchteten Schleimhaut behandelt. Mittlerweile liegen die Untersuchungsergebnisse für den Zeitraum von neun beziehungsweise sechs Monaten nach der Operation vor. „Die Ergebnisse sind sehr viel versprechend. Wir ersparen den Patienten eine großflächige Mundschleimhautentnahme und können ihnen langfristig helfen“, sagt Prof. Dr. med. Dirk Fahlenkamp, Chefarzt der Urologischen Klinik des Bethanien Krankenhauses Chemnitz. „Der im Labor erzeugte Gewebeersatz MukoCell® eröffnet neue Behandlungsmöglichkeiten im Bereich der Urologie und ist darüber hinaus für die regenerative Medizin insgesamt ein wichtiger Schritt“, sagt die Erfinderin und Geschäftsführerin der UroTec GmbH Dr. med. Gouya Ram-Liebig.

Über die UroTec GmbH

Die UroTec GmbH entstand 2005 als Ausgründung aus der Medizinischen Fakultät der TU Dresden. Das Biotechnologie-Unternehmen stellt weltweit einmalig Gewebeersatz aus patienteneigenen Zellen zur Wiederherstellung erkrankter Harnorgane her. Seit 2010 beteiligt sich das traditionsreiche sächsische Pharmaunternehmen APOGEPHA mehrheitlich als strategischer Investor an der UroTec GmbH, um laufende Entwicklungen voranzutreiben. „Der erfolgreiche Einsatz von MukoCell® ist ein Beispiel für das gelungene Zusammenspiel von Forschung, industrieller Umsetzung und medizinischer Anwendung neuartiger Therapien und zeigt die Innovationsstärke sächsischer Unternehmen“, sagt Sören Liebig, Gründer und Geschäftsführer der UroTec GmbH.

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