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Urethroplastik mit MukoCell®

Als Alternative zu den beschriebenen Methoden zur Harnröhrenrekonstruktion wurde im Jahr 2013 das Arzneimittel MukoCell® beim Paul-Ehrlich-Institut unter der Nummer PEI.A.11491.01.1 für neuartige Therapien (ATMP) zugelassen.

Im Gegensatz zu der herkömmlichen Transplantation von Mundschleimhautgewebe bei einer Urethroplastik, werden mit MukoCell® nur sehr kleine Stücke der Mundschleimhaut mit einer Größe von 0,5 cm²-0,8 cm² benötigt.1 Nach ambulanter Entnahme der Mundschleimhautzellen werden diese biotechnologisch aufgearbeitet und stehen drei Wochen später als Gewebetransplantat zur Verfügung. Aufgrund der Größe der Trägermembran ist in Einzelfällen die Entnahme von bis zu zwei Transplantaten notwendig. Die Anzahl der entnommenen Mundschleimhautstücke ist abhängig von der Länge der Striktur. Diese werden passgenau in die Harnröhre des Patienten implantiert und sorgen für eine vollständige Funktionsfähigkeit derselben. Ein Verweilkatheter verbleibt für etwa drei Wochen während der Einheilung. Die Transplantation von dem in vitro hergestellten Gewebe aus autologer Mundschleimhaut stellt eine vielversprechende Therapiealternative zu den bisherigen Behandlungsformen dar.2

Das Verfahren wird seit Anfang des Jahres 2016 sehr erfolgreich im Universitätsklinikum Köln angewendet. Aktuell werden monatlich drei bis vier Eingriffe zur Implantation des Gewebetransplantats im Universitätsklinikum durchgeführt. Die bisherigen praktischen Erfahrungen mit MukoCell® untermauern die Wirksamkeit und Sicherheit der Behandlung.

In einer vom Hersteller initiierten, prospektiven und multi-zentrischen Beobachtungsstudie (Evidenzklasse 2a), welche im Februar 2017 zur Veröffentlichung eingereicht werden soll, wurden 99 Patienten nachuntersucht. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass ein Zusammenhang zwischen dem Interventionsergebnis und der Anzahl der Voroperationen besteht. Das heißt, je früher eine Behandlung mit MukoCell® durchgeführt wird, desto wahrscheinlicher ist eine langfristige Beschwerdefreiheit des Patienten nach einmaliger Therapie. Demgegenüber steht die Alternative zahlreicher Harnröhrenschlitzungen, mit der hohen Wahrscheinlichkeit einer anschließenden Notwendigkeit einer zusätzlichen Urethroplastik.3,4

Laut Hersteller kam es bei der Entnahme der Mundschleimhautzellen in nur 3 von 99 Fällen zu leichten postoperativen Schmerzen. Daher empfehlen die Autoren in ihrer Zusammenfassung, abhängig von der Indikation, die Transplantation von in vitro hergestelltem Gewebe aus autogener Mundschleimhaut als First-Line-Therapie zu erwägen.5 Die Studienergebnisse stellen mit dem Evidenzlevel 2a in der Behandlung von Harnröhrenstrikturen wissenschaftlich hochwertige und einmalige Erkenntnisse, in Bezug auf den Evidenzgrad, dar.

1 Studienreport (Sponsor MukoCell GmbH): Observational Study of the Use of Tissue-engineered Autologous Implants of Oral Mucosa (MukoCell®) in Reconstruction of the Urethra. 2016 (unveröffentlicht).
2

Ebd.

3 Zugor et al. Offene urethrale Rekonstruktion bei Harnröhrenstrikturen. Urologie. 2014(1): 76-78.
4 Santucci and Eisenberg. Urethrotomy has a much lower success rate than previously reported. The Journal of urology. 2010; 185(5):1859-1862.
5 Studienreport (Sponsor MukoCell GmbH): Observational Study of the Use of Tissue-engineered Autologous Implants of Oral Mucosa (MukoCell®) in Reconstruction of the Urethra. 2016 (unveröffentlicht).